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Wie Videoanalyse die Fußball-Trainerausbildung in Deutschland verändert

Frederik Hvillum

May 18, 2026

Tim Schwabe und Arndt Westphal vom NFV erklären, wie Videoanalyse die Trainerausbildung in Deutschland verändert hat und warum sie nicht mehr wegzudenken ist.

Videoanalyse im Fußball ist keine Frage des Budgets mehr. Im Niedersächsischen Fußballverband (NFV), einem der größten Landesverbände in Deutschland, prägt der Einsatz von Video bereits die Ausbildung von Trainer*innen, die Entwicklung von Spieler*innen und die Auswertung von Spielen auf jedem Niveau. Zwei Menschen, die diesen Wandel von innen erleben, erklären, wie er zustande kam.

In diesem Gespräch erklären sie, was sich verändert hat, wo die Risiken liegen und warum Video nicht mehr wegzudenken ist.

Wie hat sich Videoanalyse im Amaterufußball in den letzten Jahren verändert?

Noch vor zehn Jahren erforderte die Aufzeichnung eines Fußballspiels erhebliche Investitionen, Spezialtechnik und stundenlangen manuellen Aufwand im Nachgang. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen rechtfertigte sich im Amateurbereich kaum. Das hat sich grundlegend geändert.

„Der Aufwand war früher einfach viel zu groß,“ sagt Tim Schwabe. „Man musste sich teure Hardware anschaffen, die Kamerasysteme selbst waren kostspielig, und danach musste man alles noch manuell sichten. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag hat auf unserem Niveau einfach nicht gestimmt.“

Arndt Westphal beschreibt denselben Wandel aus seiner eigenen Erfahrung. Als er mit dem Trainerjob anfing, war Video überhaupt nicht präsent. Die gelegentliche Aufnahme eines Elternteils von der Seitenlinie wurde nie für Analysen genutzt. Schrittweise begannen Trainer*innen, das Handy zu nutzen, um einzelne Spieler*innen im Training aufzunehmen. Heute ist Video in Landesauswahlmannschaften und B-Lizenz-Kursen ein fester Bestandteil der Arbeit.

Was den Wandel am stärksten beschleunigt hat, sind sich beide einig, war nicht nur bessere Technologie, sondern einfachere Technologie. Ein System, das keinen Operator braucht, automatisch hochlädt und alles auf einer Plattform bündelt, hat die Barrieren beseitigt, die Video bislang für die meisten Vereine unzugänglich gemacht hatten.

Wie hat die Ausbildungsreform 2023 den Einsatz von Video in der Trainerausbildung verändert?

Die Reform der Trainer*innenausbildung im DFB im Jahr 2023, selbst durch eine UEFA-Reform angestossen, hat Video erstmals als formale Anforderung in der Aus- und Fortbildung verankert. Die Auswirkungen darauf, wie Trainer*innen in ganz Deutschland mit Video umgehen, sind erheblich.

„Die Reform hat asynchrone digitale Anwendungsphasen in die Ausbildung eingeführt,“ erklärt Schwabe. „Die Teilnehmenden müssen jetzt eine Trainingseinheit im Heimatverein planen, durchführen und nachbereiten und das auf Video dokumentieren. Sowohl in der C- als auch in der B-Lizenz arbeiten wir mit einem Split-Screen: eine Kamera für die Totale und eine direkt auf die Trainerin oder den Trainer, damit man auch Mimik und Gestik erkennen kann.“

Hinzu kommt die Spieler*innenanalyse. Trainer*innen werden nun verpflichtet, individuelle technische und taktische Entscheidungen aus Spielmaterial zu identifizieren und diese Beobachtungen in die Trainingsplanung zu übertragen. Der Fokus liegt dabei nicht auf Mannschaftstaktik, sondern auf individuellen Entscheidungssituationen, dem Bereich, den nur Video zuverlässig sichtbar macht.

Die Reform ist nicht ohne Spannungen geblieben. Beide betonen, dass Video in der Ausbildung mit klarer Orientierung verknüpft sein muss, wann man es besser lässt.

„Wir müssen ehrlich sein,“ sagt Schwabe. „Auf dem Niveau, für das wir viele Trainer*innen ausbilden, haben sie zweimal die Woche Training, anderthalb Stunden. Ihre Spieler*innen kommen von der Arbeit oder aus der Schule. Sie dann noch vor einen Bildschirm zu setzen, statt mit ihnen auf den Rasen zu gehen, ist nicht immer die richtige Entscheidung. Unsere Aufgabe ist auch, Trainer*innen zu sensibilisieren: wo macht Video Sinn, und wo nimmt es dem weg, was eigentlich zählt, nämlich Fußball spielen.“

Wie hilft Videoanalyse bei der Entwicklung von Spieler*innen?

Eines der anschaulichsten Beispiele für den Mehrwert von Video in der Spieler*innen-Entwicklung kam direkt aus einem aktuellen Turniereinsatz. Westphals U16-Juniorinnen waren gerade vom Länderpokal zurückgekehrt, und eine taktische Herausforderung aus dem ersten Spiel zeigte genau das, was Video leisten kann, was Coaching von der Seitenlinie nicht kann.

„Wir hatten ein Problem dabei, eine bestimmte Gegenspielerin im Zentrum aufzunehmen,“ erklärt er. „Während des Spiels war zu sehen, dass sie immer eine Spielerin mehr im Zentrum hatten. Aber den Auslöser konnten wir im Spiel nicht identifizieren. Das Video hat uns dann klar gezeigt: Eine Außenspielerin überlagerte immer wieder ins Zentrum und kam nie auf den Flügel zurück. Diese Ursache-Wirkungs-Kette war von der Seitenlinie aus unsichtbar.“

Den Spielerinnen diese Sequenz im Nachgang zeigen zu können, statt sie nur an der Taktiktafel zu beschreiben, veränderte die Qualität des Gesprächs. Das Bild machte das Problem konkret und die Lösung zugänglich.

Westphal ist aber auch klar über die Grenzen. "Für individuelle Technik ist eine Kamera, die direkt vor der Spielerin aufgestellt wird, wertvoller als die Totale. Aber für Spielsituationen, für das Lesen von Entscheidungen, hat die Vogelperspektive schon echten Einfluss. Der Schlüssel ist Fokus: Bei einem 60-Minuten-Spiel suchen wir nie mehr als vier Situationen heraus. Mehr wird zu viel."

Hinzu kommt: Die Spielerinnen fordern Video selbst ein. Westphals U16-Kader muss nicht überzeugt werden. 

„Sie sind sehr interessiert.. Und nach etwa einem halben Jahr Zusammenarbeit können meine Spielerinnen die Plattform und die Clip-Erstellung nutzen und bedienen. . Sie suchen ihre eigenen Szenen, erstellen ihre eigenen Highlights. Das gab es so vor fünf Jahren nicht.“

Wie unterstützt Veo die Arbeit des NFV in Ausbildung und Talentförderung?

Für den NFV werden die praktischen Vorteile einer gemeinsamen Plattform über das gesamte Spektrum seiner Arbeit sichtbar, von regionalen Sichtungsveranstaltungen bis zu internationalen Turnieren und  Aus- und Fortbildungen.

Schwabe beschreibt den Sichtungskontext: „Wenn wir durch Niedersachsen fahren und 120 bis 160 Spieler an vier Standorten in vier Trainingseinheiten sichten, ist es schon hilfreich, danach noch mal die besten und schlechtesten Szenen aller Spieler gesammelt zu haben. Das macht man nur, weil das System es möglich macht. Ohne das System würde man es nicht tun.“

Westphal nennt einen anderen konkreten Vorteil: das Teilen von Aufnahmen zwischen Verbänden. „Als wir ein gemeinsames Lehrgang mit Brandenburg hatten, nutzen die auch Veo. Ich musste unsere Kamera gar nicht mitbringen. Sie haben die Aufnahme direkt mit uns geteilt. Das klingt simpel, aber es verändert, wie man solche Veranstaltungen plant.“

Den Kontrast erlebte er beim Länderpokal, wo Aufnahmen aus verschiedenen Systemen auf verschiedenen Plattformen ablagen. 

„Beim Länderpokal hatte ich die Totale auf einer Plattform und das Detailvideo auf einer anderen. Ich musste ständig hin- und herwechseln und mich neu einloggen. Der Vorteil, alles an einem Ort zu haben, wird einem erst bewusst, wenn man erlebt, wie es ohne ist.“

Veo ist ein KI-gestütztes Sportkamerasystem, das Spiele und Trainingseinheiten automatisch aufzeichnet, ohne dass jemand die Kamera bedienen muss. Das System verfolgt das Spielgeschehen per Computer Vision, das Videomaterial wird nach der Einheit über WLAN hochgeladen und kann sofort abgerufen, bearbeitet und geteilt werden. Trainer*innen können mit einer einzigen Anfrage alle Szenen einer bestimmten Spielerin aufrufen, ohne das gesamte Spiel manuell sichten zu müssen.

Ist Videoanalyse im deutschen Fußball gekommen, um zu bleiben?

Beide antworten ohne Zögern.

„Video war als Konzept immer präsent,“ sagt Schwabe. „Es hat sich nur nie durchgesetzt, weil der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag stand. Das hat sich geändert. Du sagst, ich brauche alle Szenen der Nummer sieben, und du bekommst sie. Das verändert die Rechnung komplett. Und unsere Spieler*innen erwarten es mittlerweile auf allen Ebenen. Sie wollen sich sehen. Sie wollen Feedback gezeigt bekommen, nicht nur gesagt bekommen.“

Westphal ergänzt die Motivationsebene. Video ist beim NFV nicht nur Analysewerkzeug. Es wird eingesetzt, um die Energie einer guten Leistung in das nächste Spiel zu tragen, der Mannschaft zu zeigen, was gut funktioniert hat, bevor man es wieder abruft. Und es wird in der Trainer*innen-Ausbildung genutzt, um die Verbindung zwischen Beobachtung und Trainingsplanung zu vermitteln: hier ist, was im Spiel passiert ist, hier ist, was wir nächste Woche trainieren.

„Die Frage ist nicht, ob Video bleibt,“ sagt Schwabe. „Es ist geblieben. Die Frage ist jetzt, wie wir Trainer*innen auf allen Ebenen dazu bringen, es sinnvoll einzusetzen. Nicht zu viel, nicht zur falschen Zeit, sondern zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise. Das ist die Arbeit, die wir jetzt machen.“

Über den NFV: 

Der Niedersächsische Fußballverband zählt mit rund 2.650 Vereinen, ca. 612.400 Mitgliedern und 16.072 Mannschaften zu den drei größten Landesverbänden im Deutschen Fußball-Bund (DFB). In Niedersachsen ist er der führende Fachverband. 

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