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Von der Basis bis zur Elite: Wie Videotechnologie die Spielerentwicklung in Bayern verändert

Frederik Hvillum

Mar 2, 2026

Philipp Ropers arbeitet seit über sieben Jahren für den Bayerischen Fußball-Verband und trainiert gleichzeitig die Herrenmannschaft seines Heimatvereins. Seine Erfahrungen zeigen, wie automatisierte Kameras Videoanalyse, die einst Proficlubs vorbehalten waren, für alle zugänglich machen.

Sportschule Ruit, April 2024, Testspiel der Württembergischen gegen die Bayerische U14-Auswahl: Philipp Ropers wurde langsam ungeduldig mit seinem Außenstürmer, gegen den dreimal innerhalb kürzester Zeit Abseits gepfiffen wurde. In der Pause sagte er ihm sehr bestimmt, dass er sein Laufverhalten unbedingt entsprechend anpassen müsse.

Auf der Rückfahrt im Bus schaute er sich zusammen mit seinem Trainerteam das Video an: „Wir haben gesehen, dass seine Laufwege sehr gut waren und es dreimal sehr klar kein Abseits war." Was folgte, war ein anderes Gespräch. „Ich bin zu dem Spieler gegangen und habe ihm gesagt, dass sowohl das Schiedsrichterteam als auch wir die Situationen falsch eingeschätzt hatten, aber er dafür alles richtig gemacht.”

Für Ropers, der sowohl beim BFV mit den besten Talenten Bayerns arbeitet, als auch Spielertrainer beim MTV Diessen in der Kreisklasse (in Bayern die neunte Liga) ist, war dieser Moment aufschlussreich. Videoanalyse verändert nicht nur, was Trainer sehen, sondern auch, wie sie mit Spielern arbeiten.

„Ich bin grundsätzlich ein sehr großer Fan von Vollständigkeit", sagt Ropers. „Deshalb zeichnen wir mit unserer Auswahlmannschaft alle Trainingseinheiten und Spiele auf."

Ropers nutzt die Aufnahmen gezielt: „Vor unserem letzten Turnier habe ich Szenen aus dem Training vorher gezeigt, die wir ins Spiel mitnehmen wollten." Was früher manuelles Aufnehmen und teure Ausrüstung erforderte, geschieht nun automatisch.

Effizienz durch Übung

Die Weiterentwicklung seiner Arbeit mit den Videos ist bemerkenswert. „Am Anfang habe ich für die Analyse eines 90-minütigen Spiels ca. drei Stunden gebraucht. Mittlerweile bin ich normalerweise in 45 bis 60 Minuten fertig."

Der Unterschied liegt nicht nur in der gewachsenen Erfahrung, sondern auch in den Werkzeugen auf der Plattform. Als sein Verein vor Kurzem aus Kostengründen das Analytics-Paket kündigen musste, spürte Ropers den Unterschied sofort. „Auf einmal brauche ich wieder deutlich länger, weil die Tore und andere Szenen nicht mehr vorgetaggt sind. Diese geben auch zeitliche Orientierung, um weitere Szenen zu finden."

Zwei Welten, ein System

Was Ropers' Ansatz besonders macht, ist seine Konsistenz über unterschiedliche Kontexte hinweg. Beim BFV, wo er seit 2018 arbeitet, nutzt er Veo als Verbandstrainer systematisch mit talentierten Jugendspielern des Jahrgangs 2010. Beim MTV wendete er denselben Ansatz als Spielertrainer bereits in der A-Klasse und anschließend in der Kreisklasse sowie in der Kreisliga an, was seinen Verein dort zu einem Vorreiter machte.

Die Verbreitung von Videotechnologie im deutschen Jugend- und Amateurfußball bleibt jedoch ungleichmäßig. „Im gehobenen Jugendbereich arbeiten immer mehr Trainer mit Videoanalysen, bei den Erwachsenen ist es noch sehr unterschiedlich. Gar nicht so abhängig von der Liga, sondern eher vom Trainer."

Das schafft paradoxe Situationen: Der MTV Diessen, der nach zwei Jahren in der Kreisliga mittlerweile wieder in der Kreisklasse spielt, hat möglicherweise ausgefeiltere Videoanalysen als höherklassige Vereine, die in diesem Bereich nicht investiert haben.

„Das eine ist, ein Spiel aufzunehmen, aber das andere, dann damit auch wirklich zu arbeiten", betont Ropers. „Ich kann von mir selbst sagen, dass ich da eine große Entwicklung durchgemacht habe."

Mehr als Taktik

Nicht alle wichtigen Momente sind taktisch. Als der MTV Diessen vor zweieinhalb Jahren seinen zweiten Aufstieg in Folge schaffte, erfasste die Veo-Kamera einen Moment der Feier, der sonst verloren gegangen wäre.

„Wir haben direkt nach dem Abpfiff einen riesigen Kreis mit der Mannschaft, vielen Jugendspielern, Fans und Unterstützern gemacht. Andere haben es auch gefilmt, aber die haben zu spät angefangen oder zu früh aufgehört. Die Veo-Aufnahme vom Kreis war beeindruckend."

Beim MTV nutzen sie die Aufnahmen auch für Social Media: Die Tore der Heimspiele werden gepostet und ein Fernseher in der Umkleidekabine zeigt eine rotierende Auswahl von Highlights. „Das ist cool für die Spieler. Darüber freut sich jeder."

Licht und Schatten

Video hat auch das Talentscouting beim BFV verändert, allerdings nicht immer zum Positiven. „Wir bekommen immer wieder Nachrichten von Eltern oder Beratern, die uns Highlight-Zusammenschnitte schicken. Das ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, weil man die  von jedem zusammenbasteln kann."

Vollständige Spielaufzeichnungen erzählen eine andere Geschichte und sind eine absolut sinnvolle Ergänzung, aber für Ropers ist klar: „Scouting vor Ort ist einfach nochmal etwas anderes, weil man auch Dinge sieht, die komplett abseits vom Ball sind, sowie das zwischenmenschliche Verhalten von Spielern."

Support als Schlüssel

In den sechs Jahren, in denen er mit Veo arbeitet, hat Ropers eine deutliche Verbesserung der Support-Qualität festgestellt. „Die letzten Male, wenn etwas nicht gestimmt hat, lief der Support immer reibungslos." Auch, als er kürzlich den Abonnementplan seines Vereins anpassen musste: „Es war wirklich top. Schnelle und sinnvolle Antworten, auch in unserem Interesse."

Diese Verlässlichkeit ist besonders für Trainer im Amateursport wichtig, die bei technischen Problemen nicht lange hinterherlaufen können.

Seine Einschätzung zu Veo nach sechs Jahren: „Die größte Stärke ist aus meiner Sicht, dass die Handhabung auf dem Platz und der Plattform relativ einfach ist. Diese Hürden sind relativ gering und daher für eine breite Masse zugänglich."

Zurück zu jenem Moment im Bus, als Ropers seinem Spieler sagte, dass er alles richtig gemacht hatte und sich Schiedsrichter und Trainer geirrt hatten. Diese Art von Transparenz schafft eine Lernkultur, in der sich alle weiterentwickeln können. Nicht nur die Spieler, sondern auch die Trainer.

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