Das Comeback-Kid: Lexi Goodman über den Weg zurück nach einem Kreuzbandriss, mentale Stärke und die Freude am Spiel
Frederik Hvillum

Als sich die Torhüterin von NASA Tophat, Lexi Goodman, in einem eigentlich leichten Highschool-Spiel eine schwere Knieverletzung zuzog, stand sie vor der grössten Herausforderung ihrer jungen Karriere. Sechs Monate nach Beginn ihrer Reha erzählt die All-American-Keeperin, wie Videotechnologie, eine positive Einstellung und purer Wille ihre Rückkehr auf den Platz vorantreiben.
Mit gerade einmal 17 Jahren hat Lexi Goodman bereits die extremen Höhen und Tiefen des Leistungssports erlebt. Die Torhüterin von NASA Tophat war massgeblich am Sieg ihres Teams bei den Girls Academy Champions Cup Finals beteiligt – einem Turnier, bei dem auf 15 Plätzen einige der grössten Talente Amerikas ihr Können zeigten. Doch nur wenige Monate nach diesem Triumph nahm ihr Abschlussjahr eine unerwartete Wendung.
„Ich spielte in einem Highschool-Spiel, das eigentlich extrem leicht sein sollte“, erinnert sich Goodman. Das Team kam spät an, sodass die Aufwärmzeit auf nur 10 bis 20 Minuten begrenzt war, bevor sie als Stürmerin auf den Platz ging. „Jemand brachte mich einfach zu Fall.“
Die Diagnose war niederschmetternd: Kreuzbandriss, komplexer Meniskusriss, Teilrisse weiterer Bänder im Knie sowie eine Fraktur am Oberschenkelknochen. Es folgte eine Operation, sechs Wochen auf Krücken und ein Reha-Zeitplan von neun bis zwölf Monaten. Für eine Torhüterin, die ihren Spielstil als Mischung aus „Happiness und Beast-Mode“ beschreibt, bedeutete die Verletzung weit mehr als nur eine physische Zwangspause.
Deutschland, das Torwartspiel und das Erwachsenwerden
Goodmans Weg zum Fussball begann ungewöhnlich früh. In einer Militärfamilie geboren, verbrachte sie ihre ersten Jahre in Deutschland.
„Ich sprach tatsächlich fliessender Deutsch als meine Eltern, also habe ich für sie in Restaurants übersetzt“, erklärt sie. In diesen prägenden Jahren reiste sie viel durch Europa und entwickelte ihre Liebe zum Fussball.
Bereits mit fünf Jahren, sobald die Position zur Auswahl stand, wusste Goodman: Sie will ins Tor. „Fussball war schon immer mein Ding, und das Torwartspiel war mein Platz“, sagt sie schlicht, gibt aber lachend zu, dass ein Teil des Reizes darin bestand, „dass ich nicht so viel rennen musste wie der Rest der Spieler“.
Ihren Kampfgeist schärfte sie bei Savannah United, wo sie ständig unter Druck stand und viele Schüsse aufs Tor bekam. „Da fing ich an, richtig ehrgeizig zu werden. Ich habe viele Videos aus dieser Zeit, auf die ich richtig stolz bin.“ Ein Meilenstein war 2022 der Gewinn der Regionalmeisterschaft mit ihrem Team im Olympic Development Program (ODP).
Die Tophat-Philosophie: Torhüter als 11. Feldspieler
Mit ihrem Wechsel zu NASA Tophat kam Goodman in ein Umfeld mit extrem hohen Standards. Der 1982 gegründete Club gehört zu den besten Programmen für Mädchenfussball in Atlanta.
Die Philosophie von Cheftrainer Troy Garner veränderte ihr Verständnis der Position. „Coach Troy lässt uns im Training immer zusammen mit der Mannschaft üben. Er sagt, Torhüter sollen der elfte Spieler auf dem Feld sein – sie dürfen halt nur zusätzlich ihre Hände benutzen.“
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Dieser Ansatz forderte sie anfangs heraus. „Vor ein paar Jahren war ich fussballerisch echt nicht gut“, gibt sie offen zu. Doch das Trainerteam sah ihr Potenzial: „Kyle meinte: ‚Ich sehe Lexi, sie hat die Aggressivität und das Mindset. Fussballerische Technik können wir ihr beibringen.‘“
Die Entwicklung ihrer spielerischen Fähigkeiten war wegweisend. „Ich nutze das Passspiel wirklich, um dieser elfte Spieler zu sein. Besonders wenn meine Mitspielerinnen keine Anspielstation nach vorne haben und eine Gegenspielerin im Rücken, möchte ich, dass sie sich sicher fühlen, den Ball zu mir zurückzuspielen.“ Das stärke das Vertrauen und die Bindung innerhalb des Teams.
Spielen mit Freude
Was Goodman auszeichnet, ist nicht nur ihr technisches Können, sondern ihre mentale Einstellung.
„Wenn du nur verbissen auf dein Selbstvertrauen achtest, grenzt dich das von den anderen ab und macht dich eher arrogant“, erklärt sie. „Aber wenn du mit Freude spielst, strahlst du eine positive Energie aus, die auch deine Mitspielerinnen ansteckt. Man muss sich immer daran erinnern, wann man seinen glücklichsten Moment auf dem Platz hatte.“
Diese Philosophie entstand aus der Ablehnung klassischer Torwart-Psychologie. „Meine Familie sagte oft: ‚Tu so, als wärst du richtig sauer auf die Gegner oder als hätten sie dir den Freund ausgespannt.‘ Aber ich dachte mir: ‚Ich spiele nicht gut, wenn ich wütend bin. Ich bin am besten, wenn ich glücklich bin.‘“
Diese Einstellung wurde während des Champions Cups durch Veo-Aufnahmen festgehalten. Nachdem sie im Halbfinale einen entscheidenden Elfmeter gehalten hatte, lächelte Goodman einfach, statt aggressiv zu jubeln.
„Das ist mein Happy Place. Es ist mein Spiel. Ich verschwende keine Gedanken an die Gegner. Die wechseln jedes Spiel, aber mein Mindset bleibt gleich.“
Videotechnologie als Entwicklungshilfe
Für Goodman ist die Videoanalyse mit Veo unverzichtbar geworden, da sie Perspektiven bietet, die man in Echtzeit nicht wahrnimmt.
„Manchmal denke ich: ‚Ich war so gut in diesem Training‘, aber dann schaue ich es mir an und merke: ‚Eigentlich war ich da ziemlich langsam‘ oder ‚Das war nicht die beste Entscheidung‘.“
Die Technologie gibt ihr präzises Feedback zu Stellungsspiel und Entscheidungsfindung. „Ich kann mein Gesicht sehen und wohin ich schaue, um zu prüfen, wie gut ich das Feld gescannt habe. Ich sehe auch, wie weit der Verteidiger weg war und ob ich eine andere Mitspielerin hätte anspielen können, die mehr Zeit gehabt hätte.“
Neben der individuellen Entwicklung stärkt Video den Teamgeist. „Es schweisst einen mit allen zusammen. Man kann gemeinsam mit den Teamkolleginnen eine Bindung aufbauen“, notiert sie. Besonders die Videositzungen in ihrer Highschool bleiben ihr in Erinnerung: „Das ganze Team hat gelacht. Das war ein besonderer Moment.“
Zudem half das Material beim Recruiting: „Ich habe es für mein Highlight-Video genutzt. Viele Trainer waren begeistert von der Qualität der Aufnahmen.“
Akademische Exzellenz und Recruiting
Auch abseits des Platzes glänzt Goodman. Als Academic All-American an der Pace Academy, einer renommierten Privatschule in Atlanta, bewältigt sie ein anspruchsvolles Pensum.
Die Auszeichnung würdigt ihre Vielseitigkeit, auch wenn die Verletzung den Recruiting-Prozess verlangsamt hat. „Viele Trainer respektieren meine Auszeichnungen, aber der Prozess ist zäher, weil sie erst sehen wollen, wo ich nach dem Kreuzbandriss stehe.“ Vor ihrer Operation besuchte sie bereits ID-Camps in Brown, Princeton und an der Georgia State University, wo sie überzeugte.
Der mentale Kampf der Genesung
Sechs Monate nach dem Start der Reha kämpft Goodman nicht nur mit physischen, sondern auch mit psychischen Herausforderungen. Die Verletzung passierte in ihrem wichtigen Senior-Jahr.
„Besonders durch den Kreuzbandriss ist es viel schwerer geworden, positiv zu bleiben“, gesteht sie. Doch auf Zweifel reagiert sie mit ihrem Kampfgeist. Als jemand behauptete, sie würde nicht vor Ablauf von zwölf Monaten zurückkehren, hielt Goodman dagegen: „Ich werde mich voll darauf konzentrieren und mich pushen. Wir können da verschiedener Meinung sein, aber ich werde so schnell wie möglich zurückkommen – bei geringstem Risiko für eine erneute Verletzung.“
Aktuell peilt sie eine Rückkehr nach zehn Monaten an. „Die Physiotherapie läuft super, alles nach Plan.“ Überraschenderweise hat die Verletzung ihr eine neue Wertschätzung für das Laufen gegeben. „Früher wollte ich ins Tor, um weniger rennen zu müssen. Aber seit der Verletzung freue ich mich riesig aufs Laufen. Es ist mein Ventil geworden.“
„Du musst wissen, dass das dein Ball ist“
Goodmans Umgang mit Fehlern basiert auf Einsatz und Lernen. „Wenn du 100 % gibst, musst du nie etwas bereuen. Wenn du einen Fehler machst, schau dir das Video an und lerne daraus.“
Diese Einstellung musste sie erst entwickeln. In ihrer Anfangszeit bei Tophat kämpfte sie oft mit Selbstzweifeln. Der Durchbruch kam durch Positivität. „Egal was passiert, geh immer mit einer positiven Einstellung auf den Platz. Über Probleme zu jammern ändert die Situation nicht, es macht es nur für alle anderen schwerer. Wenn das Team rennen muss, tu es ohne Beschwerde. Zu rufen: ‚Nur noch zehn! Wir schaffen das!‘ macht den nächsten Sprint weniger anstrengend.“

Auf die Frage, was eine Elite-Torhüterin ausmacht, nennt Goodman zwei Faktoren: Lockerheit und Intensität.
„Es geht darum, wie natürlich es sich anfühlt und um den ‚Beast-Mode‘. Man muss wissen: Das ist mein Ball, und niemand wird mich daran hindern, ihn zu bekommen. Das macht den Unterschied.“
Blick in die Zukunft
Goodmans Zukunft sieht trotz der Verletzung hell aus. Vor dem Vorfall hatte sie sogar den Weg in die Nationalmannschaft in Betracht gezogen. Jetzt interessiert sie sich auch für Medizin. „Seit ein paar Jahren reizt mich der Beruf der Chirurgin“, verrät sie.
Noch vier Monate trennen sie von der Rückkehr auf den Platz. Wenn sie zurückkehrt, wird es dieselbe aggressive, lebensfrohe und technisch starke Torhüterin sein, die NASA Tophat an die Spitze geführt hat – nur mit einer noch tieferen Wertschätzung für jeden Moment zwischen den Pfosten.
„Das ist mein Job, das ist mein Alltag“, sagt sie. Für Lexi Goodman ist genau dort der Platz, an den sie gehört.
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