Welcome

Choose your language to see content and offers specific to your region.

Der Blick von oben: Wie Michael Hopp Videoanalyse in die Trainerausbildung des SHFV integriert

Frederik Hvillum

Jun 18, 2026

Wie Michael Hopp beim SHFV Videoanalyse in die Trainerausbildung integriert, warum der Perspektivwechsel entscheidend ist, und was das für den Amateurfußball bedeutet.

Michael Hopp hat in der zweiten und dritten Liga Fussball gespielt. Videoanalyse gab es damals nicht. Nach dem Spiel gab es eine Nachbesprechung, und kein einziger Spieler hatte die entscheidenden Szenen noch im Kopf.

Heute ist Hopp Verbandssportlehrer beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband, verantwortlich für die B-Lizenz-Ausbildung, die Talentförderung und die Fortbildung von Trainern im ganzen Verband. Videoanalyse ist ein fester Bestandteil seiner Arbeit. Was sich verändert hat, ist nicht nur die Technologie, sondern die Art, wie Trainer sich selbst sehen.

Der Moment, in dem Trainer aufwachen

In der Trainerausbildung hält Hopp einen Vortrag über Videoanalyse, Sinn und Unsinn. Er fragt die Teilnehmer, wer ein Smartphone besitzt. Alle Hände gehen hoch. Dann fragt er, wer am Wochenende Videoanalyse macht. Die Hände gehen schnell wieder runter.

Was danach passiert, nennt er den Hallo-Wach-Effekt.

"Nach dem Kurs sagt der ein oder andere Trainer: Mensch, ich muss mir jetzt mal für den Verein den Veo-Account holen. Ich kann ja eine Mannschaftsbesprechung nach dem Spiel wesentlich detaillierter bestreiten als nur mit der Taktiktafel. Ich kann sogar noch die Spieler anklicken, ich kann Szenen sofort raussuchen", sagt Hopp.

Die Erkenntnis ist nicht, dass Videoanalyse kompliziert ist, sondern dass sie einfacher ist, als die meisten Trainer gedacht haben.

Warum der Perspektivwechsel alles verändert

Das wirksamste Element der Videoarbeit beim SHFV ist nicht der taktische Clip. Es ist der Vergleich zweier Blickwinkel: was der Trainer von der Seitenlinie aus sieht, und was die Kamera von oben zeigt.

In der Präsenzphase der Ausbildung läuft ein Teilnehmer mit einem Smartphone hinter dem Trainer her und filmt seinen Blickwinkel. Gleichzeitig läuft die Veo-Kamera von oben. Die Trainer bekommen dann die Aufgabe, beide Perspektiven zu vergleichen und herauszufinden, ob ihre Einschätzung aus der Seitenlinie mit dem übereinstimmt, was die Kamera zeigt.

"Die Trainer stellen fest, dass sie sich von der Seitenlinie aus total oft täuschen, was das Coaching verändert. Manchmal ist es vielleicht besser, die Klappe zu halten und hinterher noch mal anzuschauen und im Training nachzubereiten, bevor man irgendetwas auf das Spielfeld ruft, weil man sich unsicher ist, ob das tatsächlich so ist", sagt Hopp.

Das Werkzeug muss zum Trainer passen, nicht umgekehrt

Hopp ist pragmatisch in seiner Einschätzung, was Videoanalyse leisten kann und was nicht. Er hat Trainer gesehen, die das System falsch einsetzen: Szenen ohne Kontext an Spieler schicken, volle Spiele ohne Schnitt weiterleiten, Videoanalyse als Aufgabe statt als Coaching-Werkzeug behandeln.

"Es muss die richtige Anwendung sein, es muss richtig dosiert werden. Den Spielern einfach ein Video zu schicken ohne es zu schneiden und ohne sinnvoll eine Verbesserung mitzugeben, das bringt dem Spieler nichts. Der Fussball ist immer noch auf dem Platz", sagt Hopp.

Der entscheidende Faktor für die langfristige Nutzung ist Schnelligkeit. Ein Trainer, der nach dem Wochenendspiel noch Familie und Beruf hat, braucht ein Werkzeug, das schnell funktioniert. Wenn die Videoanalyse zu zeitaufwendig ist, wird sie nicht genutzt.

"Videoanalyse darf nie zu kompliziert werden. In der Anwendung muss es schnell und einfach bleiben", sagt Hopp.

Was Videoanalyse im Amateurfußball tatsächlich verändert

Hopp beschreibt einen konkreten Effekt, den Trainer immer wieder erleben: Eine Szene, die sie live falsch eingeschätzt haben, sieht auf dem Video anders aus. Ein Spieler, dem sie ein schlechtes Spiel attestiert hätten, hat weniger Fehlpässe gespielt als erinnert. Ein Gegentor hatte seinen Ursprung zwei Positionen weiter links, nicht da, wo der Trainer hingeschaut hatte.

Das Gedächtnis eines Trainers filtert und bewertet während des Spiels. Das Videobild tut das nicht.

"Diese Szenen sind für uns Trainer relativ schnell wieder weg aus dem Kopf. Manchmal schauen wir uns ein Spiel an und den einen Spieler, den ich etwas schlechter eingeschätzt hätte, hat im Video eigentlich ein ganz gutes Spiel gemacht", sagt Hopp.

Vom Verband in den Verein

Was Hopp in der Ausbildung zeigt, soll in den Vereinen ankommen. Ob das passiert, hängt von den Trainern ab. Manche kehren aus der Lizenzausbildung zurück und implementieren Videoanalyse sofort. Andere zögern, weil die Voraussetzungen im Verein fehlen, weil das Vertrauen in das eigene technische Können fehlt, oder weil die Prioritäten woanders liegen.

Hopp ist geduldig mit dieser Realität, hält aber an seiner Überzeugung fest: Wer seine Spieler besser machen will, investiert in die Spielerentwicklung, nicht nur in Trainingsanzüge.

"Ich bin immer ein Freund davon, in die Spieler zu investieren und nicht in Trainingsanzüge, die dann weitergegeben werden. Ich will den einzelnen Spieler besser machen, und da gehört ein Videoanalyse-Tool definitiv mit dazu", sagt Hopp.

Wo Videoanalyse in fünf Jahren steht

Hopp glaubt, dass die nächste Generation Trainer den Wechsel nicht mehr bewusst vollziehen muss. Die ambitionierten Jugendtrainer, die heute in die Lizenzausbildung kommen, kennen Videoanalyse aus ihrer eigenen Karriere. Sie erwarten sie als selbstverständlichen Teil des Trainings. Wenn sie in den Herrenbereich aufsteigen, nehmen sie diese Erwartung mit.

Der Trainertyp, der Videoanalyse als optionales Extra betrachtet, wird seltener.

"Die Erwartungshaltung der ambitionierten Jugendspieler treibt die Nutzung der Videoanalyse voran. Und wenn wir es schaffen, Ligen damit auszustatten, dann ist schon jedem geholfen, weil ich nicht mehr als Trainer eine halbe Stunde hinfahren muss, um mir das anzuschauen, sondern ich kann es live oder im Nachhinein sehen", sagt Hopp.

No items found.

FAQs

No items found.