Wie Videoanalyse die Trainerentwicklung im Fußball verändert – und warum der BDFL darauf setzt
Frederik Hvillum
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Christoph Pinke vom BDFL erklärt, warum Videotraining das wirkungsvollste Werkzeug der Spielerentwicklung ist und wie 6.000 Trainer*innen in Deutschland davon profitieren können
Videoanalyse im Fußball ist längst kein Werkzeug mehr, das nur Profiklubs vorbehalten ist. Christoph Pinke arbeitet beim Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), dem Trainerverband für lizenzierte Fußballtrainer*innen in Deutschland, und er ist von einer Sache überzeugt: Wer Spieler*innen wirklich entwickeln will, muss bei den Trainer*innen anfangen – und Videotraining ist dafür heute ein sehr effektives Mittel.
Der BDFL wurde 1957 gegründet und verfolgt die Mission, Fußballtrainer*innen kompetenzorientiert fortzubilden, zu stärken und miteinander zu vernetzen. . Heute ist die Organisation mit knapp 6.000 Mitgliedern die zentrale Plattform für Trainer*innen mit B, B+, A, A+ und Pro Lizenz in Deutschland. Jährlicher Höhepunkt ist der Internationale Trainer-Kongress (ITK), der dieses Jahr voraussichtlich 1.300 Anmeldungen erreichen wird – ein neuer Rekord.
In diesem Gespräch erklärt Pinke, wie Videoanalyse die Trainerausbildung verändert, warum einfacher Zugang zur Technologie im Amateursport entscheidend ist und wie die Zukunft der Fußballentwicklung durch die Linse einer Kamera aussieht.
Was ist der BDFL und was macht er für Fußballtrainer*innen in Deutschland?
Der Bund Deutscher Fußballlehrer ist die berufliche Heimat lizenzierter Fußballtrainer*innen in Deutschland. Die 1957 gegründete Organisation vertritt die Interessen der Trainer*innen und bietet strukturierte Fortbildungsmöglichkeiten. In Kooperation mit dem DFB ist der BDFL zuständig für die Verlängerung der A-, A+- und Pro-Lizenzen in ganz Deutschland.
Die Organisation gliedert sich in acht regionale Gruppen und bietet neben dem ITK rund 50 regionale sowie 50 bis 60 digitale Fortbildungsveranstaltungen pro Jahr an. Während in der Vergangenheit ausschließlich Trainer*innen mit Pro Lizenz, A+ Lizenz und A Lizenz Mitglied im Trainerverband werden konnten, haben seit zwei Jahren auch Trainer*innen mit B und B+ Lizenz die Möglichkeit, Teil der Mitgliedschaft zu werden. Oberstes Ziel des Verbandes ist die Kompetenzentwicklung der Trainer*innen sowie die Vernetzung untereinander. Dabei fördert der BDFL besonders den Erfahrungsaustausch innerhalb der Trainergemeinschaft und legt großen Wert auf ein Fort- und Weiterbildungsangebot auf höchstem Niveau.
Pinkes Kernaufgabe beim BDFL ist die Organisation von Fortbildungen, mit besonderem Fokus auf digitale Formate. Innerhalb dieser Arbeit spielt Videoanalyse eine immer zentralere Rolle.
Warum ist Videotraining so ein wirkungsvolles Werkzeug in der Spielerentwicklung?
Videoanalyse gibt Trainer*innen die Möglichkeit, Spieler*innen deren eigenes Verhalten auf dem Platz zu zeigen. Worte allein können das nicht leisten.
Nach der Arbeit auf dem Platz ist das Videotraining eines der mächtigsten Tools, das wir für die Spielerentwicklung zur Verfügung haben,“ sagt Christoph Pinke, „weil Spieler sich selbst in Aktion sehen und wir ihr konkretes Verhalten widerspiegeln und analysieren können.“
Wenn Spieler*innen ihr eigenes Verhalten auf dem Bildschirm sehen, sowohl positive als auch negative Muster, ist die Wirkung deutlich größer als bei verbalen Anweisungen oder abstrakten Erklärungen. Das Bild erzeugt Verständnis, das Coaching allein nicht herstellen kann.
Für den BDFL hat das eine direkte Konsequenz für die Art, wie Trainer*innen weitergebildet werden. Mehr Trainer*innen dazu zu bringen, Video sinnvoll einzusetzen, ist nicht nur eine Frage des Zugangs zu Geräten. Es erfordert den Aufbau der Kompetenz, die Technologie wirkungsvoll zu nutzen.
„Es ist das eine, eine Kamera aufzustellen und ein Spiel zu filmen,“ erklärt Pinke. „Und das andere, zu wissen, wie ich den maximalen Benefit aus dieser Technologie rausholen kann.“

Wie verändert Video die Art, wie sich Trainer*innen in Deutschland fortbilden?
Die Art, wie Trainer*innen sich weiterbilden, hat sich grundlegend gewandelt. Der BDFL hat darauf reagiert und ein Wissensnetz aufgebaut, das Inhalte aus Fortbildungsveranstaltungen dauerhaft zugänglich macht.
Das Problem, das Pinke beschreibt, war eindeutig: Wissen, das bei einer Fortbildung in Dortmund entstand, erreichte eine Trainerin in München nicht, die nicht teilnehmen konnte – geschweige denn einen deutschsprachigen Trainer, der in Japan arbeitet.
Die Lösung bestand darin, Praxisdemonstrationen bei Fortbildungsveranstaltungen mit einer Veo-Kamera aufzuzeichnen, direkt auf dem Platz aufgestellt mit direkt aufgezeichnetem Ton und ausgewählte Clips im Wissensnetz zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis ist abrufbares Wissen, das Geographie und Zeitzonen überwindet und damit Lernen jederzeit möglich macht.
„Das ist natürlich total cool, wenn du als Trainer darauf zugreifen kannst, auch wenn du nicht die Möglichkeit hast, vor Ort zu sein,“ sagt Pinke. Jenseits des reinen Komforts bieten Videoaufnahmen auch eine zweite Möglichkeit zur Reflexion. Was in der Intensität des Moments verschwindet, ob an der Seitenlinie oder in einer Trainingseinheit, lässt sich später in Ruhe noch einmal betrachten. „In der realen Situation kann man selten alle relevanten Details wahrnehmen, durch das Video ergeben sich neue Perspektiven,“ fügt er hinzu.
Wie können Trainer*innen im Amateurbereich Videoanalyse sinnvoll einsetzen?
Videoanalyse im Amateurfußball scheitert selten am fehlenden Willen. Sie scheitert an Zeit und Budget. Genau hier macht zugängliche Technologie den Unterschied.
„Es ist wichtig, dass diese Technologie für alle auf einfachem Weg zugänglich ist,“ sagt Pinke. Im Profifußball sind die nötigen Ressourcen und Systeme bereits vorhanden. Im Amateur- und semiprofessionellen Bereich sind die Einschränkungen real.
Sein Rat an Trainer*innen, die anfangen wollen: mit einer einzigen, klaren Frage beginnen. Was will ich eigentlich aus diesem Videomaterial herausholen? Die möglichen Antworten sind breiter, als die meisten Trainer*innen anfangs erwarten:
- Gegneranalyse: Muster und Spielprinzipien des nächsten Gegners erkennen
- Eigene Spielanalyse: die eigene Spielidee sichtbar machen und bei den Spieler*innen verankern
- Spielerentwicklung: individuelle Stärken und Entwicklungsfelder zurückspiegeln
- Trainingsanalyse: messen, wie viel aktive Spielzeit Spieler*innen in einer Einheiten tatsächlich haben
- Trainer*innen-Selbstreflexion: das eigene Verhalten, Kommunikationsmuster und Entscheidungen an der Seitenlinie beobachten
„Du kannst als Trainer in einer unteren Liga in der Tiefe nicht dieselben Themen abdecken wie ein Bundesligist. Das ist völlig logisch,“ erklärt Pinke. „Und deswegen ist es auch wichtig, dass jeder Trainer sich erstmal klarmacht: as will ich denn überhaupt aus diesem Videomaterial rausholen?“
Wie unterstützt die Partnerschaft zwischen BDFL und Veo Trainer*innen im Alltag?
Für den BDFL ist Veo mehr als ein Technologiepartner. Die Organisation empfiehlt Veo aktiv an Trainer*innen weiter und setzt die Kamera bei eigenen Praxiseinheiten ein.
„Trainer, die sich für Videotraining interessieren, bekommen so einen einfachen Zugang,“ erklärt Pinke. „Wir haben einen Partner, zu dem wir sie guten Gewissens hinschicken können.“
Das Feedback von Mitgliedern, die über den BDFL den Weg zu Veo gefunden haben, ist positiv: unkomplizierte Beratung und ein System, das zur Realität des Amateur- und semiprofessionellen Sports passt. Mobil, überschaubare Abo-Kosten und eine Kamera, die ohne Operator auskommt.
Veo ist ein KI-gestütztes Sportkamerasystem, das Spiele und Trainingseinheiten automatisch aufzeichnet, ohne dass jemand die Kamera bedienen muss. Die Kamera verfolgt das Spielgeschehen per Computer Vision, das Videomaterial wird nach dem Abpfiff automatisch hochgeladen und ist sofort über die Plattform abrufbar.
Für den BDFL bedeutet das: Fortbildungsinhalte können ohne technischen Aufwand aufgezeichnet, bearbeitet und im Wissensnetz veröffentlicht werden. Für die Trainerinnen und Trainer an der Basis bedeutet es ein System, das funktioniert – ohne Komplexität und ohne großes Budget.
Wohin entwickelt sich die Videoanalyse in der Trainerausbildung?
Eine genaue Prognose ist schwer. Die Richtung aber ist klar.
„Die Entwicklung schreitet so schnell voran, dass es schwer abzusehen ist,“ sagt Pinke und verweist auf das Tempo der Veränderungen, das bereits im letzten Jahrzehnt deutlich sichtbar war.
Was feststeht: Video wird in allen Anwendungsbereichen eine wachsende Rolle spielen, von der Gegneranalyse über die Spielerentwicklung bis zur Trainer*innen-Selbstreflexion. Die Technologie geht nicht zurück. Die Frage, wie KI Trainer*innen Zeit zurückgeben kann, anstatt neue Anforderungen zu schaffen, wird immer wichtiger.
Für den BDFL bedeutet das: Die Trainerbildung muss Schritt halten. Trainer*innen für die Zukunft des Fußballs vorzubereiten, heißt sicherzustellen, dass sie nicht nur wissen, wie man eine Kamera aufstellt, sondern wie man das Beste aus dem herausholt, was sie aufzeichnet
„Man muss sich zwangsläufig damit beschäftigen, wenn man das volle Potenzial der Technologie nutzen will,“ sagt Pinke. „Egal, ob man ein junger Trainer ist, der automatisch damit in Verbindung kommt, oder schon ein älteres Semester.“
Über den BDFL: Der Bund Deutscher Fußball-Lehrer wurde 1957 gegründet und ist der Trainerverband für lizenzierte Fußballtrainer*innen in Deutschland. Mit knapp 6.000 Mitgliedern und in Kooperation mit dem DFB ist der BDFL zuständig für Fortbildung und Lizenzverlängerung der A-, A+- und Pro-Lizenzinhaber*innen.

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