Von den Tempeln des Weltfussballs zu NYC Footy
Frederik Hvillum

Kevin Bergh und Bobbie Byrne spielen bei NYC Footy. Zum ersten Mal haben sie ihre eigenen Spiele im Match Report von Veo gesehen – und erfahren, was sie richtig gut machen.
An einem Sonntag spielte das Team von Kevin Bergh am Pier 5 im Brooklyn Bridge Park gegen den Yacht Club, und das Spiel endete unentschieden. Bergh ist Kapitän und Trainer von KFC, einem der Teams der Liga NYC Footy, und mit dem Yacht Club verbindet sein Team eine alte Freundschaft und Rivalität. „Ein besseres Ergebnis hätte es nicht geben können“, sagt er. „Das sind tolle Leute.“
Bergh ist Koch und in den Vierzigern. Er ist in St. Louis aufgewachsen, hat an der Saint Louis University gespielt und nach einer Knieverletzung jahrelang pausiert. Zurück zum Fussball kam er über eine Gruppe von Freunden, die er beim Premier-League-Schauen im Pub kennengelernt hatte. Seit zehn Jahren spielt er in der Footy League.
Wer selbst auf dem Platz steht und gleichzeitig Trainer ist, hat immer einen blinden Fleck. „Ich habe keinen Statistiker, der neben mir an der Seitenlinie sitzt und aufschreibt, wer wann den Ball hat und wie viele Ballkontakte wir im Vergleich zum Gegner hatten“, sagt er.
Nach dem Spiel gegen den Yacht Club hat Veo ihm die Partie im Match Report gezeigt.
Das Unentschieden von oben
„Mein erster Eindruck: Wow“, sagt Bergh. „So konnte ich mein Spiel noch nie sehen. Wenn man mittendrin steckt, fühlt sich alles ganz anders an als hier auf dem Bildschirm.“

Er ging das Spiel durch wie bei einer Halbzeitansprache. Seine Verteidiger sollen den Kopf heben und sich mit Pässen aus dem Pressing befreien. In einem Highlight verfolgte er den Ball von einer Balleroberung im Mittelfeld zurück durch die Abwehr und dann hinaus auf den Flügel. „Ich glaube, da war jeder von uns mal am Ball“, sagt er. „Genau so soll mein Team spielen.“
Der Report zeigte auch, was das Unentschieden verdeckt hatte. KFC hatte mehr Ballbesitz und mehr Chancen, nutzte aber nur wenige davon. Der Yacht Club kam seltener zum Abschluss und war vor dem Tor effizienter.
„Daran sehe ich, dass wir an unserer Chancenverwertung arbeiten müssen“, sagt Bergh. „Ruhig bleiben vor dem Tor und wissen, welche Optionen wir haben. Ist der Schuss im Strafraum in dem Moment wirklich die beste Lösung? Läuft sich gerade jemand frei?“ Im Training der Woche darauf ging es vor allem um die Entscheidung im Abschluss.
Auch die Passkarte lieferte ihm einen Ansatzpunkt. Die meisten erfolgreichen Pässe von KFC liefen über den linken Flügel. „Da liegt offenbar unsere Stärke“, sagt er. „Aber es zeigt mir auch, dass wir öfter über rechts spielen können. Dann kann sich der Gegner nicht nur auf eine Seite einstellen.“
Die Defensivwerte rundeten das Bild ab: Der Yacht Club kam nur von außerhalb des Strafraums zum Abschluss. „Wir haben als Team gut verteidigt“, sagt er. „Das will ich von meiner Mannschaft sehen.“

Als Spielertrainer kann er nicht alles sehen. „Es gibt Dinge, die ich auf dem Platz nicht mitbekomme, gerade weil ich selbst mitspiele“, sagt er. „Hiermit kann ich die Highlights noch einmal durchgehen und mir alles ganz genau anschauen.“
Geklärt wird im Pub
Bei KFC wird nach jedem Spiel stundenlang über Taktik diskutiert. „Ob wir das auf dem Platz auch umsetzen? Da bin ich etwas skeptisch“, sagt Bergh. Der Match Report liefert diesen Gesprächen eine echte Grundlage: die Passkarte jedes Spielers sowie Laufdistanz und Sprints aller auf dem Platz. Eine GPS-Weste muss dafür niemand tragen.
„Selbst mit einem Statistiker käme ich nicht an solche Infos“, sagt er. „Und das wird so viele Diskussionen im Pub beenden. Ich hatte so und so viele Pässe. – Nein, ich hatte mehr. – Tja, hier steht’s schwarz auf weiß.“
Zum Schluss hatte er noch eine Botschaft für einen der erfolgreichsten Trainer des Fussballs. „Zieh dich warm an, José Mourinho. Ich komme.“
Der erste Blick in den Match Report
Bobbie Byrne zog 2022 aus Südkalifornien nach New York. Sie spielte bis zu ihrem 14. Lebensjahr, hörte dann auf und trat im Frühjahr 2023 der Footy League bei, um Leute kennenzulernen. Heute spielt sie an verschiedenen Wochentagen für mehrere Teams, quer durch die ganze Stadt.
In der Liga müssen jederzeit mindestens zwei Frauen auf dem Platz stehen, und Byrne nutzt das, um mehr zu spielen. Wenn Teams Ersatzleute brauchen, posten sie das im Forum der Liga, und auch Teams, gegen die Byrne schon gespielt hat, haben sie gefragt, ob sie einspringt. „Es macht richtig Spaß, diese Chance zu nutzen, überall zu spielen und ständig neue Leute kennenzulernen“, sagt sie. Ihr Sonntagsteam „Exceptional Women, Average Men“ gehört zu den Gründungsteams der Liga und hat mindestens so viele Frauen wie Männer auf dem Platz.
„Dadurch fühlt sich New York viel kleiner an“, sagt sie.

Sie hatte sich noch nie selbst spielen sehen. Veo hat zwei ihrer Spiele mit einem Team aufgezeichnet, bei dem sie als Ersatzspielerin eingesprungen war, und vor laufender Kamera schaute sie sich zum ersten Mal den Match Report an. Sie fand ihre eigenen Sprints und ihre Laufdistanz, dann die Passfolgen des Teams, die zeigen, wie oft eine Mannschaft mehrere Pässe aneinanderreiht.
„Manchmal will mein Sonntagsteam das Spiel einfach beruhigen und den Ball laufen lassen“, sagt sie. „Das dann wirklich zu sehen, ist ziemlich cool.“
Was du in Erinnerung hast und was wirklich passiert ist
Für Byrne liegt der Reiz im Abgleich zwischen Erinnerung und Video. „Es macht Spaß, im Moment zu spielen und es sich dann noch mal anzuschauen: Wie hat man eine Szene in Erinnerung, und wie war sie tatsächlich?“, sagt sie. „Okay, an den Moment erinnere ich mich. So lief er ab. Oder: Das habe ich versucht, und es hat nicht geklappt. Ah, deshalb. Vielleicht wegen der Position von dem oder dem.“
Sie hat in der Liga schon Leute gesehen, die versuchen, ihre Spiele mit Handys und Tablets zu filmen. „Dass das ganze Spielfeld und alle Daten erfasst werden, ist unschlagbar“, sagt sie. „Man muss sich um nichts kümmern.“
Sie will auch die Laufdistanz mit den Werten ihrer Sportuhr vergleichen, und sie kennt ein paar Mitspielerinnen, die aus den Clips Videos für den Instagram-Account des Teams machen werden. Wie Bergh rechnet sie damit, dass die Zahlen so manchen Streit beenden. „Man hat alle Daten, da gibt es nichts mehr zu diskutieren.“

Ein Statistiker für alle
Für Bergh ändert sich vor allem eines: wer an solche Informationen kommt.
„Das ist die Art von Technik, die man früher vielleicht nur im Camp Nou oder in Old Trafford gesehen hat“, sagt er. „Jetzt kommt sie aus den Tempeln des Weltfussballs direkt in den Brooklyn Bridge Park, direkt zu den Sonntagsspielen der Footy League.“
Er glaubt auch, dass das den Fussball in den USA voranbringt. „Je mehr Teams das nutzen, wir genauso wie unsere Gegner, desto mehr müssen wir uns alle steigern“, sagt er. „Die Footy League hat jetzt einen Vollzeit-Statistiker, und das ist für uns alle großartig.“
So funktioniert der Match Report
Der Match Report fasst eine Veo Cam-Aufnahme auf einer einzigen Seite zusammen – ohne Wearables und ohne dass jemand das Spiel von Hand taggen muss.
Er beginnt mit einer kurzen Übersicht darüber, was das Spiel entschieden hat, und schlüsselt es dann auf: Highlights, Schüsse, Passnetzwerke, Heat Maps, Defensivaktionen und athletische Daten für jeden Spieler. Jede Statistik ist mit dem passenden Clip verknüpft. So kann ein Trainer auf eine Zahl tippen und sich den Moment ansehen, aus dem sie stammt.
Der Match Report ist Teil von Veo Analytics 2 und für Fussball verfügbar. Produktmanagerin Beatrice Barlassina erklärt, warum Veo ihn entwickelt hat und wie Trainer ihn mitgeprägt haben.

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