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Der Full-Circle-Moment: Wie der FC Viktoria Berlin als erster Frauenverein Bundesliga-Investitionen gewinnen konnte

Frederik Hvillum

Mar 10, 2026

CEO Lisa Währer über die sechs Jahre, die es brauchte, um etwas scheinbar Unmögliches aufzubauen, warum Unabhängigkeit zum größten Trumpf des Vereins wurde und was es bedeutet, den Kreis zu schließen, der mit Angel City FC begann.

Im Sommer 2022 übernahmen sechs Frauen die Frauenabteilung des FC Viktoria 1889 Berlin und gründeten sie sofort als vollständig unabhängiges Unternehmen aus. Ariane Hingst, Felicia Mutterer, Katharina Kurz, Lisa Währer, Tanja Wielgoß und Verena Pausder wollten ein anderes Modell als das traditionelle, bei dem ein Frauenteam nur als Nebenprojekt innerhalb eines Männervereins existiert. Inspiriert wurden sie unter anderem von Angel City FC in Los Angeles – einem Verein, der bewusst und medienwirksam als eigenständiges Unternehmen aufgebaut wurde.

Dreiieinhalb Jahre später sicherte sich der FC Viktoria Berlin ein Investment von Monarch Collective, dessen Mitbegründerin Kara Nortman auch Angel City mitbegründet hatte.

„Es ist ein Full-Circle-Moment“, sagt Lisa Währer, CEO und Mitbegründerin des FC Viktoria Berlin. „Wir haben immer genau verfolgt, was Angel City und ihre Gründerinnen machen. Und jetzt stehen wir hier.“

Wie der Deal zustande kam

Etwa ein Jahr vor der Bekanntgabe entschied die Führung des FC Viktoria Berlin, einen großen strategischen Investor zu suchen, anstatt weiterhin kleine Anteilseigner zu sammeln. Die Kriterien waren klar: Der Investor musste einen echten Fokus auf den Frauensport haben und Frauenfussball nicht nur als nachträglichen Einfall betrachten.

Die Shortlist war kurz. Investoren mit diesem speziellen Fokus sind selten. Monarch Collective, die auch Vereine in der NWSL unterstützen, darunter San Diego FC, stand ganz oben auf der Liste.

Der Kontakt kam über einen Professor zustande, der mit der Mitbegründerin des FC Viktoria Berlin, Katharina Kurz, vernetzt ist und sie mit Kara Nortman bekannt machte. Das erste Telefonat verlief gut. Monarch flog nach Berlin, um ein Spiel zu besuchen und die Gründerinnen zu treffen. Weitere Gespräche folgten.

„Von Anfang an hat die Chemie gestimmt“, sagt Währer. „Und dann haben beide Seiten gesagt: Packen wir es an.“

Warum Unabhängigkeit zum Vorteil wurde

Die deutsche Frauenfussball-Landschaft wird an der Spitze von Vereinen dominiert, deren Frauenteams in großen Männerorganisationen angesiedelt sind. Bayern München, Wolfsburg und andere verfügen über eine Infrastruktur und Ressourcen, mit denen kleinere, unabhängige Vereine nicht mithalten können.

Währer argumentiert jedoch, dass die Unabhängigkeit etwas geschaffen hat, das diese Vereine nicht so leicht kopieren können: direkten Zugang. Ein Investor, der sich für den Frauenfussball und nur für den Frauenfussball interessiert, muss sich nicht durch die Politik eines Männervereins manövrieren, in dem externe Investitionen für die Fans oft einen faden Beigeschmack haben.

„Der FC Viktoria Berlin ist für externe Investoren deshalb so interessant, weil wir unabhängig sind“, sagt sie. „Sie sprechen direkt mit dem Frauenteam, direkt mit den Entscheidungsträgern. Bei den großen Traditionsvereinen stehen Investoren, die nur das Frauenteam unterstützen wollen, vor vielen Hürden. Bei vielen Fans haben Investoren in Deutschland nicht gerade den besten Ruf.“

Sie weist auch auf Berlin selbst als Pluspunkt hin. Die Stadt sei die einzige wirklich internationale Metropole in Deutschland, argumentiert sie, mit dem kulturellen Gewicht und der Vielfalt, um eine Frauenfussball-Marke über das heimische Publikum hinaus aufzubauen. Der FC Viktoria Berlin spielt zwar in der zweiten Liga, denkt aber in den Dimensionen einer Stadt, die die fünftgrößte in Europa ist und bisher noch keinen Fussballverein an der absoluten Weltspitze hat.

Im Sommer 2023 gaben Veo und der FC Viktoria Berlin ihre Partnerschaft bekannt. Das bedeutet, dass der Verein alle Spiele mit den KI-Kameras von Veo aufzeichnen wird. Wir haben den Club besucht, um mehr über die einzigartige Struktur zu erfahren und darüber, wie sie den Weg für den Frauenfussball in Berlin ebnen.

Innerhalb der Game Changer von FC Viktoria Berlin

Was als Nächstes passiert

An den Ambitionen hat sich durch das Investment nichts geändert. Währer stellt klar, dass die Ziele – der Aufstieg in die 1. Frauen-Bundesliga und langfristig die Champions League – schon immer feststanden. Geändert hat sich jedoch die Erwartungshaltung, wie schnell diese Schritte nun umgesetzt werden können.

Das Engagement von Monarch ist für den Fonds gleichzeitig der erste Schritt nach Europa. Der FC Viktoria Berlin bietet ihnen einen Einstieg in den deutschen Markt, dem Währer ein enormes, bisher ungenutztes Potenzial zuschreibt. Dies gilt trotz der 50+1-Regel in Deutschland, die den Einfluss von Investoren in Fussballvereinen begrenzt und die unabhängige Struktur des FC Viktoria Berlin besonders attraktiv macht.

Parallel dazu läuft die praktische Aufbauarbeit. Auf dem Platz beendete der Verein seine erste Saison in der 2. Frauen-Bundesliga mit einem Unentschieden gegen den Tabellenführer aus Stuttgart – trotz der Herausforderungen, die die Umstellung auf eine höhere Liga mit sich brachte. Abseits des Rasens deckt eine neue Partnerschaft mit der Deutschen Bahn die Reisekosten für bestimmte Auswärtsspiele in ganz Deutschland ab – ein erheblicher Kostenfaktor für einen Verein, der nun bundesweit antritt.

Der Austausch mit den anderen Clubs von Monarch steht noch am Anfang. Der FC Viktoria Berlin plant, im Sommer oder Herbst nach Los Angeles zu reisen, um die Teams aus dem Monarch-Portfolio kennenzulernen und zu verstehen, wie NWSL-Clubs ihre Marken ausbauen und ihre Kader entwickeln. Währer ist sich der Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Modell bewusst. Der Wissenstransfer muss also entsprechend angepasst werden.

Frauenfussball wächst – die Frage ist nur: Wie?

In ganz Deutschland haben die Vereine der obersten Frauenligen eine eigene gemeinnützige Organisation gegründet, um die Liga selbst zu verwalten und weiterzuentwickeln. Dieser Schritt sorgt für Spannungen mit dem DFB, da ursprünglich ein Joint Venture geplant war. Die strukturelle Zukunft des deutschen Frauenfussballs ist also noch ungeklärt.

Währer beobachtet diesen Prozess genau. Ihrer Meinung nach werden die nächsten Jahre entscheidend sein – nicht weil das Wachstum infrage steht, sondern weil das Modell dafür gerade erst geschrieben wird.

„Immer mehr Menschen verstehen, dass Frauenfussball nicht gleich Männerfussball ist“, sagt sie. „Man muss ihn anders angehen. Man muss ihn als etwas Neues aufbauen.“

Genau das vertritt der FC Viktoria Berlin seit dem Sommer 2022. Jetzt haben sie eine Mitbegründerin von Angel City an ihrer Seite, um genau das unter Beweis zu stellen.

Fotos:
Kai Heuser und Julia Haake

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